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Setz Bräu - Alte Post


Einer der letzten "Überbleibsel" unseres Setz-Bräu aus Moosburg.
Danke an den Besitzer für die Einblicke und die Genehmigung zum veröffentlichen.

Es ist immer wieder erstaunlich und inspirierend, in diesen alten Gemäuern zu stehen.

Brauerei, Gasthof Setz Bräu - Alte Post in der Münchnerstrasse.

Die Anfänge des Setz Bräu sind im 16. Jahrhundert.
Der Anbau von Wein endete (Weingraben !) und das Bier trat seinen Siegeszug an.
1597 gaben sich 14 Brauereien in Moosburg eine Bierpreuen-Ordnung. Kastulus Perstl, der Gründer des späteren Setz Bräus wird hierbei genannt.
Einer seiner Nachfolger errichtete 1710 nahe am Münchner Tor sein eigenes Brauhaus.

1748 erhielt Franz Joseph Prandtmayr den Zuschlag für die neue Posthalterei.
Ab diesem Zeitpunkt hieß die Gastwirtschaft Gasthof zur Post. 1798, nachdem Sebastian Leiß die Posthalterei in der Neuen Post im Weingraben (Poststrasse) übernahm, wurde der Name des Gasthofs in Alte Post geändert.

Auf einer Postkarte vom 15.08.1897 ist Josef Setz als Inhaber genannt. Ab 1933 führte Heinz Hoffmann Brauerei und Gastwirtschaft. Er baute die Bauerei aus und steigerte den Bierausstoß auf fast 50.000 Hektoliter jährlich. Mit seinem Tod 1981 endete eine fast 400 Jahre dauernde Brautradition in Moosburg.

1990 wurden die Gebäude von Brauerei und Gastwirtschaft zwischen Münchner- und Bahnhofstrasse abgebrochen und bereits im Januar 1993 begann der Aushub für die Neubebauung, wie wir sie heute sehen. 1954 startete Heinz Hoffmann eine Geschäftsverbindung mit Frankreich. Zunächst wurde von der Brasserie Nord-Europe in Lille/Frankreich und später von der Belgischen Brauerei Piedboeuf in Lüttich auf Lizenzbasis die Marke Setz-Bräu - Alte Post gebraut. Ende der 1970er Jahre musste sich Heinz Hoffmann nach einem starken Partner umsehen und entschied sich für den Münchner Löwenbräu. Als Mitte der 1980er ein Braukessel in Moosburg altersbedingt nicht mehr benutzt werden konnte, wurde das Setz-Bräu-Bier in Holzkirchen und München gebraut. Löwenbräu verkaufte das 5000 qm große Gelände und 1990 wurde der altehrwürdige Gasthof Alte Post und die Mälzerei usw. dem Erdboden gleichgemacht. Am 18.02.1996 war dann das endgültige Betriebsende der Setz-Bräu GmbH. Quelle: www.alt-moosburg.de
Bilder: ARTsbyXD/Matthias Gabriel












1597 unterzeichnet der Bierbräuer Chastel
(Kastulus) Perstel die Brauordnung in
Mossburg.
Dessen Vorfahren dürften jedoch schon
vorher in Moosburg Bier gebraut haben.
In der nächsten Genaration gab es bereits 3
Brauer und einen Weinwirt
(Bürgermeister) mit dem Namen Perstl
Info: Setzbräu, Alte Post, Mossburg 1597 – 1957,
© 1956

Dessen Sohn Chastel Perstel II. († nach
1653) heiratete eine Maria ? Am
29.11.1632 wird ihr Sohn Martin geboren.
1653 ist Chastl Perstl noch als Taufpate
erwähnt.
Info: Setzbräu, Alte Post, Mossburg 1597 – 1957,
© 1956

In den Steuerbelegen aus den 30er Jahren
des 17. Jahrhunderts ist Perstl stets an der
Spitze der Steuerzahlenden Brauer zu
finden.
Info: Blätter des Bayr. Landesvereins für
Familiekunde 1964: Moosburger Bierbrauer v. A.
Alckens

1663 übernimmt der erstgeboren Sohn
Johannes Perstl (* vor 1632) die
Brauerei. Er heiratet am 19.2.1664 die
Anna Lohe, Tochter des Raths und
Peckhens allhier und verstarb sehr bald
darauf ohne Nachkommen.
Info: Setzbräu, Alte Post, Mossburg 1597 – 1957,
© 1956

Abraham und Anna Prandtmayr 1665-1695:
Am 6.5.1665 verheiratet sich die Witwe
Anna Perst mit Abraham Prandtmayr,
Bürger und Pierpreu (zugezogen aus
Buchbach, Landkreis Mühldorf am Inn).Er
starb nach 21 jähriger Ehe am 2. März
1686 während seine Witwe ihn um 20
Jahre überlebte.
Info: Setzbräu, Alte Post, Mossburg 1597 – 1957,
© 1956

Abraham Prandtmayr 1693-1735:
Sohn Abraham Prandtlmayer II., (†27.11.1733) heiratete am 13. Juli 1693 die
Susanna Waizenpaur († 1702), Tochter des
Stadtbaumeisters und Bierbrauers Simon
und der Magdalena Waizenpaur. Es gibt
davon ein Epithaph in der Johanneskirche,
das Herrn Simon Waizenpaur, gewester
Fendrich, auch des innern Raths und seine
Ehegattin Susanna Waizenpeurin, und
ihren zwölf Kinder sowie ihrer Tochter
Susanna, verehelichte Prandtmayer vor
dem Gekreuzigten zeigt.
Am 03.01.1703 heiratete Abraham
Prandtlmayer II. in zweiter Ehe die Maria
Salome Dorn, Tochter des
Amtsbürgermeisters.
Am 17. Sept. 1710 erwirkte er bei der
kaiserlichen Regierungskanzlei in
Landshut ein Dekret, demzufolge ihm von
jetzt an das Recht zustand, in der eigenen
Behausung Bier zu sieden, zu welchem
Behuf er eine Braustätte errichten durfte,
die sich genau an der Stelle befand, wo
heute die Brauerei Setz an der Münchner
Straße nahe dem alten Stadttor steht. Das
war ein gewaltiger Fortschritt, denn bisher
musste das Kommunebrauhaus benutzt
werden, was begreiflicherweise häufig zu
Mißhelligkeiten Anlaß gab.
Info: Setzbräu, Alte Post, Mossburg 1597 – 1957,
© 1956

Nach dem Tode des Vaters am 27.11.1733
führte die Witwe den Betrieb bis 1735
selbständig weiter.
Info: Setzbräu, Alte Post, Mossburg 1597 – 1957,
© 1956

Franz Joseph und Anna Maria
Prandtmayr 1735 – 1772:
1735 übernahm Sohn Franz Jospeh
Prandtmayr die Brauerei und heiratete im
November 1736 die Anna Maria
Kirmayerin.
1748 wurde Franz Josef Prandtmayr der
erste kaiserliche Reichsposthalter in
Moosburg. Er verstarb am 26.05.1772.
Info: Setzbräu, Alte Post, Mossburg 1597 – 1957,
© 1956

Josef Anton und Anna Maria
Prandtmayr 1772 – 1803:
Dessen damals 25jähriger Sohn Josef
Anton Prandtmayr erhielt die Brauerei und
verheiratete sich am 16.02.1773 mit Maria
Anna Reiser, wodurch er auch die
Posthalterei weiter behalten durfte. Josef
Anton verstarb 1791.
Info: Setzbräu, Alte Post, Mossburg 1597 – 1957,
© 1956

Sein einziger Sohn war damals erst 17
Jahre alt. Die Witwe erhielt jedoch die
Bewilligung die Posthalterei bis zum Jahre
1803 zu führen.

Jakob und Anna Prandtmayr 1803 –
1823:
Der inzwischen 30jährige Jakob
Prandtmayr ist 1803 in den Besitz des
Post-Anwesens gekommen und wurde
ebenfalls zum kaiserlichen
Reichsposthalter ernannt.
1802 vermählte er sich mit Anna Maria
Sedlmaier, Weißbierwirtstochter von
Moosburg.

1817 übergab er aus Gesundheitsgründen
die Posthalterei an die Familie Stangl-Leiß
im Weingraben. Seitdem gibt es in
Moosburg eine „alte“ und eine „neue“
Post. Jakob Prandtmayr verstarb am 19.
10.1823. Er hatte zwei Söhne, die bei
seinem Tode 16- und 10 Jahre alt waren.
Der Ältere wurde Laienbruder im
Franzsikaner-Kloster zu Dietfurt, der
Jüngere heiratete beim benachbarten
Jungbräu ein. Die Mutter übernahm
Anwesen, die Brauerei und die anderen
Liegenschaften. Die beiden Söhne
erhielten ein Erbgut von 6000 Gulden.
Info: Setzbräu, Alte Post, Mossburg 1597 – 1957,
© 1956

Georg und Anna Maria Mühldorfer
1823 – 1843:
Die Witwe Anna Maria heiratete bereits
zwei Monate nach dem ihres Mannes den
1792 geborenen Metzger Johann Georg
Mühldorfer aus dem Nachbarhaus jenseits
des Gässchens, in dem noch heute die
Metzgerei Fertl betrieben wird. Die Ehe
blieb kinderlos. Anna Maria verstarb 1840.
Info: Setzbräu, Alte Post, Mossburg 1597 – 1957,
© 1956

Brandmaier Michael, Bräuer,
Bürgermeister 1840 – 1843
Info: Geschichte der Stadt Moosburg, Ludwig Weh,
Toni Fischer, © 1991

Lorenz und Maria Mühldorfer 1843 –
1872:
Noch zu Lebzeiten übergab Georg
Mühldorfer die „Gastwirtschaft zur alten
Post“, die Brauerei und die dazugehörige
Landwirtschaft seinem Neffen Lorenz
Mühldorfer, da er auf seiner Grabinschrift
an der Michaels-Kirche als „Privatier,
vormals Bierbrauer zur alten Post in
Mossburg“ bezeichnet wird.
Lorenz Mühldorfer heiratete 1872
Franziska Kellner (* 1847 in
Herrngiersdorf), Tochter des Wolfgang
Kellner, der 1855 den benachbarten
Jungbräu in Moosburg vom letzten
Prandtmayr erworben hatte. Er verstarb
1886.
Info: Setzbräu, Alte Post, Moosburg 1597 – 1957,
© 1956

Maria Mühldorfer, Brauersgattin war eine
der Moosburger Damen, welche 1844 die
Fahne der neu gegründeten Moosburger
Liedertafel mitgestiftet hatte.
Info: Liedertafel Moosburg © 1954 S. 9

Lorenz II. und Franziska Mühldorfer
1872 – 1890:
Sein Sohn Lorenz Mühldorfer II , dem die
Brauerei seit 1886 gehörte hat den Besitz
seiner Vorfahren nicht lange behalten.
Info: Setzbräu, Alte Post, Moosburg 1597
– 1957, © 1956

Johann Gandorfer und Bartholomäus
Schweiger Okt/Nov. 1890.
Am 13. Oktober 1890 verkaufte er ihn an
den Güterhändler und Gastwirt Johann
Gandorfer aus Niederhummel sowie den
Privatier Bartolomäus Schweiger aus
München.
Info: Setzbräu, Alte Post, Moosburg 1597
– 1957, © 1956

Wilhelm und Rosina Setz 1890 – 1895:
Bereits am 29. November kaufte das
Anwesen Wilhelm Setz aus Straubing und
seine Ehefrau Rosina die Alte Post und
betrieben Gastwirtschaft und Brauerei.
Info: Setzbräu, Alte Post, Moosburg 1597
– 1957, © 1956

Joseph und Maria Setz 1895 – 1931:
Fünf Jahre später am 11. Juli 1895
übernahm der Bruder des Wilhelm, Joseph
Setz (* 31.10.1864) die Brauerei und
führte dies bis zu seinem Tod am 12.
Februar 1931.
Info: Setzbräu, Alte Post, Moosburg 1597
– 1957, © 1956

Er war erheiratet mit Maria Hapertsberger
(* 31.01.1868 + 22.03.1920.
Kinder:
Maria (Marerl) * 05.09.1892 + 20.12.1918
Josef * 31.08.1895 + 30.03.1968
August * 07.09.1896 + 12.12.1941
Luise * 17.01.1898 + 14.07.1971
Anna * 25.07.1901 + 17.01.1988
Karl * 20.12.1904 + 07.08.1925
Wilhelm * 20.12.1904 + 15.08.1977
Rosa * 19.06.1906 + 26.09.1977

Erbengemeinschaft Setz 1931 – 1933:
Die noch lebenden sechs Kinder schlossen
sich zu einer Erbengemeinschaft
zusammen und hofften, in einträglicher
Arbeit den Besitz, der aus dem Alten-Post-
Gebäude, der Malzfabrik und der Brauerei
und dem Nebenhaus, dem Keller,
Grundstücken und dazugehörigen
landwirtschaftlichen Gebäuden bestand ,
zu erhalten.
Info: Setzbräu, Alte Post, Moosburg 1597 – 1957,
© 1956

Heinz und Rosa Hoffmann 1933 – 1984:
Die Erbengemeinschaft funktionierte nicht
und so übergab man am 26. November
1934 den Besitz Rosa Setz und ihrem
Gatten Heinz Hoffmann, dem als Diplom-
Braumeister die Erfahrungen der
Weihenstephaner Brauereihochschule zur
Verfügung standen.

Der Ausstoß erhöhte sich von 1932 mit
1.000 hl Bier auf 12.000 hl im Jahre 1957.
Info: Setzbräu, Alte Post, Mossburg 1597
– 1957,

1944 startete Heinz Hoffmann eine
Geschäftsverbindung mit Frankreich.
Zunächst wurde von der Brasserie Nord-
Europe in Lille/Frankreich und später von
der Belgischen Brauerei Piedboef in
Lüttich auf Lizenzbasis die Marke „Setz-
Bräu – Alte Post“ gebraut.

Ende der 70er Jahre musste sich Heinz
Hoffmann nach einem starken Partner
umsehen und entschied sich für den
Münchner Löwenbräu.

Als 1986 ein Braukessel in Moosburg
altersbedingt nicht mehr benutzt werden
konnte, wurde der Setz-Bräu in
Holzkirchen und München gebraut.
Löwenbräu verkaufte das 5000 qm große
Gelände und 1990 wurde das
altehrwürdige Mauerwerk (Gasthof Alte
Post) und die Betonwände der Neuzeit
(Mälzerei etc.) dem Erdboden
gleichgemacht.

Am 18.02.1996 war dann das endgültige
Betriebsende der Setz-Bräu GmbH

Der Brauereiinhaber Heinz Hoffmann
übergab den Betrieb aus Sturheit und
Egozentrik nicht an seinen Sohn Fritz,
einem gelernten Braumeister weiter. Der
Betrieb wurde lieber verkauft.
Info: HB 2007, der die beiden Herren persönlich
kannte.

Im Jahre 1993 wurde das Gebäude
abgerissen und beim Aushub für einen
Neubau kamen Unmengen von
interessanten Funden zu Tage. Geschirr
und Gläser – mittlerweile wieder mühevoll
restauriert – Knochen und eiserne
Werkzeuge lassen den Betrachter einen
Blick auf lange Geschichte der Küche und
der Gastwirtschaft des „Setzbräu“ werfen.
Dabei erhält man einen Überblick, welche
Geräte früher hauptsächlich in einer Küche
Verwendung fanden, und wie sich mit der
Zeit auch die Geschirrmode verändert hat.
Die Funde vom „Setzbräu“ wurden im
Jahre 2001 in einer vom Archäologischen
Verein im Landkreis Freising und der Stadt
Moosburg veranstalteten Ausstellung im
Zehentstadel gezeigt.

Quelle: Brauereien und Gaststätten in der Stadt Moosburg
Stoffsammlung zu den einstigen und heutigen Brauereien, Gaststätten und Cafes
in der Stadt Moosburg (© Hermann Bienen Stand 2012)